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Zeichentrick als Kunst?

Wie kommt er denn auf so etwas? Warum schreibt er hier darüber? Zeichentrick ist nur für Kinder!

Kurz und knapp: Ich hatte eine Diskussion mit meiner Schwester und meiner Mutter darüber, was man sich Abends anschauen sollte. Ich schlug unter anderem Totoro und Kikis kleiner Lieferservice vor. Meine Mom und Schwester taten es als Kinderkram ab und wollten lieber einen Film mit Schweiger und/oder Schweighöfer schauen. (Kurz umrissen, es ging noch eine Stunde länger und kam vom hundertsten ins Tausende.)

Ich schreibe hier darüber, weil es mir eine Herzensangelegenheit ist. Zeichentrick ist Kunst und manche Filme haben mir geholfen meine eigene Perspektive zu finden.
Zeichentrick oder Animationsfilme im Allgemeinen sind sicher häufig für Kinder gefertigt und auf einem ähnlichen erzählerischen Niveau, dies betrifft vor allem die westliche Kultur. Es gibt aber auch hier Ausnahmen, nicht alles ist von Disney und Warnerbros, nicht alles sind schnell produzierte Zeichentrickserien. Das beste Beispiel dafür sind die liebevollen Geschichten von Pixar, die für große und kleine Zuschauer gleichermaßen Spannung und interessante Handlung bieten.
Ganz anders sieht es beim japanischen Zeichentrick aus, in Deutschland gerne als Manga oder Anime bezeichnet. Kurz zur Klarstellung: Mangas sind Comics, häufig einfach in Schwarzweiß. Animes sind die Animationsfilme und Serien die gerne mal auf Mangas oder so genannten Lightnovels basieren. Auch hier gibt es klar Qualitätsunterschiede in der Produktion. Es gibt hier sehr liebevoll gefertigte Serien und Filme aber auch schnell hingezeichnete und auf großen Umsatz angelegte Serien, die mittlerweile über viele Staffeln laufen. Aber, und hier muss man das japanische Zeichentrick und Comic vom westlichen trennen, die Zielgruppe ist häufig ein erwachsenes Publikum.

Ich liebe insbesondere die Filme aus dem Hause Ghibli. Ghibli produziert hochkarätige und liebevoll animierte Filme, die gerne mal das herkömmliche Einfache feiern aber auch tiefgründige Geschichten erzählen. Häufig ist der Protagonist weiblich, es wird viel Kritik an der Konsumgesellschaft geübt und der Krieg in allen brutalen Facetten dargestellt. Zusätzlich wird großer Wert auf einen guten Soundtrack gelegt.

Totoro ist mein Lieblingsanime. Er ist einfach, er feiert die Geschichte zweier Mädchen, die mit ihrem Vater aufs Land ziehen um näher bei der Mutter zu sein, die dort im Krankenhaus liegt. Die Geschichte erzählt auch von dem Waldgeist Totoro, der nicht von allen gesehen werden kann. Gerade Erwachsene übersehen ihn und seinesgleichen. Dennoch werden die Kinder nicht als Spinner abgetan, sondern immer Ernst genommen.

Chihiros Reise ins Zauberland ist nicht nur für den Soundtrack weltweit bekannt sondern hat sogar einen Oskar gewonnen. Chihiro folgt ihren Eltern durch einen Tunnel und verliert sie sogleich. Sie muss hart für ihren Unterhalt arbeiten und trifft auf die seltsamsten Gestalten in dem Badehaus. Sie verliert dabei nicht nur ihren Namen sondern muss darum kämpfen nicht ihre Persönlichkeit zu verlieren.

Nausicaä aus dem Tal der Winde ist wohl einer der ältesten Filme von Ghibligründer Miyazaki. Es geht hier um eine von den Menschen verdreckte und vergiftete Welt in der verschiedene Fraktionen gegeneinander um die letzten Ressource und die Vorherrschaft kämpfen. Mitten darin findet sich ein friedliches Dorf, dass gelernt hat, mit den Gefahren der verseuchten Welt zu leben ohne dafür noch mehr von ihrer Menschlichkeit zu opfern.

Die Liste kann ich ewig weiter führen. Das Wandelnde Schloss, Kikis kleiner Lieferservice, Ponyo, Porco Rosso, Prinzessin Mononoke, Die letzten Glühwürmchen und und und. Diese Filme sind nicht unbedingt alle für ein jüngeres Publikum geeignet, gerade Die Letzten Glühwürmchen sind eine sehr schmerzvolle Erinnerung an den zweiten Weltkrieg und die damit verbundenen Qualen.

Mir ist aber sehr wohl bewusst, dass viele ältere Menschen in der westlichen Kultur häufig nur die Serien am Nachmittag oder am Wochenende im Morgenprogramm im Kopf haben. Aber auch hier gab und gibt es das ein oder andere Sternchen. Kimba der kleine weiße Löwe, Gundam und Detektiv Conan um einige doch auch tiefgründigere Geschichten zu nennen. Wenn man sich die Zeit nimmt zwei oder drei Folgen dieser Serien zu verfolgen wird man schnell einen tieferen Sinn erkennen und vielleicht auch nicht mehr aufhören.

Animes sind Kunstwerke aus verschiedenen Künsten zusammengesetzt, häufig noch mehr als in einem normalen Film. Drehbuch (Geschichte), Musik, Schauspiel und bei Zeichentrick auch immer noch die vielen vielen Bilder (24 Bilder / Sekunde Film) die gezeichnet werden müssen. Auch hier bewundere ich die Detailverliebtheit mit der einige Studios und Animeschaffende ans Werk gehen. Ich muss im Wasser nicht unbedingt die umherflitzenden kleinen Fische sehen um zu verstehen, dass es Wasser ist und es dort Leben gibt. Ich muss auch nicht einzelne Grillen und Käfer in der Wiese aufsteigen sehen wenn jemand dort hindurch rennt oder geht, aber es macht den Film lebendig und manchmal lebendiger als die vor dem Greenscreen gedrehten Hollywoodfilme mit ihrer häufig sterilen Computergrafik (Warcraft, Guardians of the Galaxy 2).

Die Liste der Animes, die ich empfehlen kann ist lang und wird mit jedem Tag länger. Ich bin kein ausgewiesener Ghiblifanboy, es gibt auch andere Filme, die ich euch nur ans Herz legen kann. Im Anschluss eine Liste mit Links zu Amazon.

Ghiblifilme bei Amazon
Ghost in the Shell
Das Mädchen, das durch die Zeit sprang
Cowboy Bebop
Akira

Demnächst im Kino:

p.s.: An alle Animefans, ich weiß das Thema ist sehr komplex, ich wollte es hier nur sehr einfach für Leute wie meine Mom und meine Schwester darlegen.

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